Hintergrund und Zielsetzung des Projektes:

Im Mekong-Delta im Süden Vietnams leben in einem Gebiet, das in etwa der Größe von Baden-Württemberg entspricht, rund 18 Millionen Menschen. Die Region ist wegen des Reisanbaus und der Aquakulturen wirtschaftlich sehr wichtig. Der Klimawandel und andere menschengemachte Einflüsse belasten die Region jedoch stark, weshalb das Mekong-Delta mittlerweile langfristig in seiner Existenz bedroht ist. So führte die intensive Nutzung von Grundwasser in den letzten Jahrzehnten zu einem starken Abfall der Grundwasserspiegel und zu einer anhaltenden Landsenkung von bis zu mehreren Zentimetern pro Jahr. Hinzu kommt der durch den Klimawandel verursachte jährliche Meeresspiegelanstieg von ca. zwei bis drei Millimetern. Außerdem bringt der Mekong weniger Sedimente in die Mündung, weil speziell in China und Laos große Staudämme gebaut worden sind. Hinzu kommt die Abholzung der schützenden Mangrovenwälder, sodass starke Erosionen entstehen und ein rapide fortschreitender Verlust von bis zu 50 Metern Land pro Jahr an den Küstenbereichen. Aber auch die Ufer der Kanäle und Flüsse werden stark von der Erosion in Mitleidenschaft gezogen. Zugleich dringt durch die Grundwasserübernutzung und ein unzureichendes Wassermanagement vermehrt Salzwasser in die Oberflächengewässer und Grundwasserleiter des Deltas ein. Weil zudem das Abwasser größtenteils ohne Reinigung in Flussarme geleitet wird, ist Süßwasser knapp bzw. von schlechter Qualität.

ViWat Haus
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Der Projektverbund

ViWaT will diesen diversen Herausforderungen mit einer ganzheitlichen Lösung begegnen. Die ViWaT-Initiative stützt sich deshalb auf die drei Säulen Engineering (koordiniert vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unter der Leitung von Prof. Franz Nestmann und Prof. Stefan Norra), Planning (koordiniert von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) unter der Leitung von Prof. Harro Stolpe) und Operation (koordiniert vom Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/ Herdecke (IEEM) unter der Leitung von Prof. Karl-Ulrich Rudolph), die als eigenständige Forschungsverbünde agieren und sich mit den unterschiedlichen Schwerpunktthemen Küstenschutz (KIT), Wasser- und Landnutzungsplanung (RUB) und Wasserversorgung/ Wasserwiedergewinnung (IEEM) befassen.

Projektziele und Pilotstandorte

Das Unterverbundprojekt ViWaT-Operation fasst sowohl die Trinkwasserversorgung in abgelegenen Siedlungen als auch Wasserwiedergewinnung in Aquakulturbetrieben in den Fokus. Dabei wird nicht nur der technische Lösungsansatz untersucht, sondern auch wirtschaftliche und finanzielle Aspekte mit einbezogen, um eine nachhaltige Implementierung der Technologie und einen funktionierenden Betrieb zu gewährleisten. ViWaT-Operation setzt auf der lokalen Ebene an und legt seinen Schwerpunkt auf die Herausforderungen des dauerhaften Betriebs und wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Die Konzepte werden daher zunächst für mehrere ausgewählte Standorte in den Provinzen Ca Mau, Kien Giang und Bac Lieu entwickelt (Abbildung 1). Nach erfolgreichem Pilotbetrieb soll die Technologie für eine Vielzahl weiterer Standorte in Vietnam und darüber hinaus repliziert werden.

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Abbildung 1: In der abgebildeten Karte des südlichen Mekong Deltas sind die mit den Projektpartnern gemeinsam ausgewählten Pilotstandorte zum Aufbau der Trinkwasseranlagen (rot) in Kien Giang und Ca Mau sowie die Aquafarm (blau) in Bac Lieu markiert. (Kartenmaterial: CPMD,http://coastal-protection-mekongdelta.com, GIZ)

Projekttitel: Verbundprojekt ViWaT Mekong: Integrated Solutions for Sustainable Development in the Mekong Delta - Land, Water, Energy and Climate, Unterverbund ViWaT – Operation

Projektpartner:

Förderung: im Rahmen des CLIENT II durch das BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) Projektträger Karlsruhe (PTKA)

Kennzeichen: 02WCL1474M

Projektlaufzeit: Januar 2019 – Dezember 2021

BMBF

Arbeitsstruktur des Projektes

„ViWaT“ ist ein vom BMBF und dem vietnamesischen Wissenschaftsministerium MOST unterstützter Projektverbund mit den drei Säulen „Planning“ (Ruhr-Universität Bochum), „Engineering“ (Karlsruher Institut für Technologie) und „Operation“ (IEEM).

Arbeitspaket 1

beinhaltet die Entwicklung einer technologiebasierten Lösung für Klein-Wasserwerke, mit denen bei vertretbarem technischen und finanziellen Aufwand die vielen abgelegenen Kleinsiedlungen im Mekong Delta mit humantoxikologischen und hygienisch einwandfreiem Trinkwasser versorgt werden können.

Arbeitspaket 2

befasst sich mit dem Wasser-und Abwassermanagement für eine nachhaltige Aquakultur im Mekong Delta, speziell mit der Abwassernutzung in Garnelenfarmen, welche derzeit unter existenzbedrohenden Wasserproblemen leiden und umgekehrt existenzbedrohende Wasser-und Bodenverschmutzungen verursachen.

Arbeitspaket 3

liefert ein zu entwickelndes technisch und organisatorisch funktionierendes Monitoring System zur Überwachung der Wasserentnahmen, der Wasseraufbereitung, der Frisch- und Sekundärwassernutzung sowie der Abwassereinleitungen. Auf dieser Basis soll ein innovatives Maßnahmenkonzept zum Wassernachfrage-Management (Water Demand Management) entwickelt werden.

Arbeitspaket 4

widmet sich der Untersuchung der Regulation und Führung von Wasserbetrieben (Water Utility Governance). Zur Analyse und Demonstration sind Implementierung-Fallstudien vorgesehen, die gemeinsam mit ausgewählten Wasserbetrieben durchgeführt werden. Darauf aufbauend soll ein Katalog von Empfehlungen an Regulierungs-behörden und Wasserbetriebe abgeleitet werden.